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Nr. 94, 31.03.2018  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Ideen für kreativen Sportunterricht

Wie man Sportunterricht spielerisch auflockert, um die Motivation zu steigern, das weiß Bettina Frommann. Die Dozentin am Institut für Sportwissenschaft veröf­fent­licht Bücher und CDs mit Übungen und praktischen Tipps für Studierende und Lehrkräfte.


Bettina Frommann sorgt für Spaß im Sport­unter­richt – egal ob in der Halle oder im Schwimm­becken. Foto: pur.pur

Pik Zehn, Kreuz Bube, Herz As, Karo Neun – 20 Stu­dierende des Bachelorstudiengangs Sportwissen­schaft schwimmen in der Unischwimmhalle eine Bahn nach der anderen, um Karten ihrer Spielfarbe aus dem verdeckten Kartenstapel zu finden. Wenn Bettina Frommann ihre Studierenden am Ende einer praktischen Übungsstunde in punkto Kondition trai­nieren will, setzt sie manches Mal auch auf kreative Spiele mit ungewöhnlichen Materialien.

»Würde ich die Studierenden einfach auffordern, 30 Bahnen zu schwimmen, erntete ich lange Gesichter. Kommen aber Würfel, Bingobögen, Wäsche­klam­mern oder ein Kartenspiel zum Einsatz, steigt die Motivation und Anstrengungs­bereitschaft erheblich«, sagt Frommann.

Dass ein fachlich fundierter Sportunterricht die emotionale Seite des Lernens berücksichtigen sollte und dass Freude an der Bewegung mehr zu lebenslangem Sporttreiben motiviert, weiß die Kielerin bereits aus ihrer Zeit im Schuldienst. 14 Jahre hat die Sport- und Französischlehrerin an einer Ganztagsschule alle Alters- und Niveaustufen unterrichtet und dabei wertvolle Erfahrungen und Ideen für spielerische Übungen für den Sportunterricht gesammelt.

Diese methodisch-didaktischen Anleitungen stellt sie seit über 20 Jahren Lehrkräften auf Kongressen, Fortbildungen und Sportlehrertagen vor. Der Erfahrungsschatz aus dem Schuldienst und den Fortbildungen kam Frommann zugute, als sie 1999 an das Institut für Sportwissenschaft der Uni Kiel wechselte und dort zunächst mit halber Stelle die fachdidaktische Ausbildung übernahm. Seit 2001 ist sie auf einer vollen Stelle in den Sportarten Schwimmen und Badminton tätig.

Weil die Dozentin immer wieder von Studierenden sowie Referendarinnen und Referendaren nach schriftlichem Unterrichtsmaterial gefragt wurde, begann Frommann in ihrer Freizeit ihre Ideensammlung zu systematisieren und neu zu strukturieren. Parallel ergab sich durch den Kontakt eines Kollegen zum Hofmann-Sportbuchverlag die Möglichkeit, an dessen Buchreihe »Praxisideen« mitzuwirken.

So entstanden die Bücher »Wilde Spiele«, eine Übungssammlung für Sportlehrkräfte und Übungs­leiterinnen und -leiter zum spielerischen Kämpfen, sowie die »Wilden Spiele im Wasser«, die sich mit der Wassergewöhnung und -bewältigung auf spielerischer Basis auseinandersetzen. Das Tauziehen im Wasser oder das gegenseitige Abjagen von Wäscheklammern, das in der Halle genauso gut funktioniert wie im flachen Wasser, sind nur zwei der zahlreichen Beispiele im Buch, die für Spaß, gleichzeitig aber auch für positive Körpererfahrungen sorgen und damit das Selbstbewusstsein steigern können.

Daneben sind vier Sport-CDs mit Stations- und Arbeitskarten entstanden, die sich direkt an die Schüler und Schülerinnen wenden und deren eigenständiges sportliches Handeln unterstützen. Da geht es um das Ringen und Raufen, um Technikübungen oder taktisch schlaues Spiel im Badminton. »So wird die Sporthalle als Fitness-Studio genutzt oder die Koordination bei Rückschlagspielen verbessert«, sagt Frommann, die ihr nächstes Buch bereits auf den Weg gebracht hat. Ein Band mit zehn Unterrichtsstunden zum »Ringen, Raufen, Verteidigen« erscheint im Sommer. Damit will Frommann den Lehrkräften bei den Vorbereitungen für den Sportunterricht helfen.

Alle Bücher und CDs sollen Studierenden und Lehrkräften die emotionale Seite des Lernens vermitteln und den zum Teil spielerischen Ansatz in der Ausbildung mit kreativem Materialeinsatz fördern. Dennoch, und das ist für Frommann wichtig, gehe es in ihren Sportkursen an der Uni natürlich nicht primär darum, zu spielen. Die Studierenden setzen sich in den Kursen mit Sportwissenschaften wie Trainings- oder Bewegungswissenschaft, Medizin und Pädagogik auseinander. Sie lernen dabei aber auch, wie man sportliche Inhalte vermittelt.

»Geeignetes didaktisches Material für die Hand der Lehrkräfte oder der Schülerinnen und Schüler unterstützt den Unterricht«, sagt Frommann, »und wenn ich mit meinen Ideen jungen Lehrkräften den Einstieg in das Berufsleben erleichtern oder älteren Kolleginnen und Kollegen neue Anregungen geben kann, ist die positive Rückmeldung ein schöner Lohn.«

Jennifer Ruske
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