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Nr. 97, 26.01.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Spenden verbindet

Menschen zum regelmäßigen Blutspenden zu bewegen, ist Ziel der Smartphone-App »Statusplus® Blutspende«. Der beim Healthcare Hackathon prämierte Design-Prototyp wird jetzt technisch umgesetzt.


»Das Plasma Ihrer Vollblutspende wurde vor 3 Tagen verwendet! Nochmals herzlichen Dank für Ihre Blutspende...« So könnte eine Push-Nachricht der Blutspende-App aussehen, die derzeit in der Arbeitsgruppe von Professor Andre Franke am Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) der Universität Kiel entwickelt wird. Die Nachricht über die Verwendung der Spende macht deutlich, wie wichtig sie ist, und soll gleichzeitig dazu motivieren, auch weiterhin zu spenden. Die Informationen für eine solche Zuordnung sind vorhanden.

»Ab dem Moment, wo jemand im Zentrum für Transfusionsmedizin Blut spendet, wird jeder Schritt gescannt. An dieses System wollen wir mit der App anknüpfen«, erklärt Projektleiterin Kathrin Boersch, die sich bereits an anderer Stelle im Webdesign bewährt hat. In ihrer Masterarbeit entwickelte die Kommunikations­designerin mit Förderung durch den Exzellenzcluster Entzün­dungs­forschung am IKMB das deutschlandweit einzigartige Pro­bandenportal Statusplus®, das Teilnehmerinnen und Teil­nehmern von klinischen Studien einen leicht verständlichen Zugang zu komplexen medizinischen Daten ermöglicht.

Vorrangiges Ziel der neuen App ist, Menschen zur Blutspende zu bewegen. »Die Blut­spenden­bereitschaft in Deutschland ist nicht wirklich gut«, sagt Boersch. »Drei Prozent aller Deutschen spenden Blut, obwohl es 33 Prozent könnten. Und 80 Prozent der Deutschen brauchen einmal im Leben eine Blutspende. Mit unserer App wollen wir Anreize schaffen und Hilfestellung geben.«

So sollen Spenderinnen und Spender über die App die Ergebnisse der Blutuntersuchung automatisch erhalten. »Normalerweise kriegt man nur einen Brief, in dem steht, dass alles in Ordnung ist oder dass man sich noch einmal vorstellen soll. Wir wollen die Gesundheitsdaten, die erhoben werden, auch mit in die App packen.« So könnte die Entwicklung von Blutwerten, etwa die des Hämoglobinwerts, im Verlauf der Spenden auf einen Blick erfasst werden. Eine kritische Versorgung mit Eisen würde damit sofort erkannt. Vorgesehen ist auch ein Vorab-Check, der dazu dienen soll zu prüfen, ob es Einwände gegen eine Blutspende gibt.

Eine weitere Funktion widmet sich der Anwerbung neuer Spen­derinnen und Spender. »Die meisten kommen zur Blutspende, weil sie persönliche Erfahrungen haben, etwa weil ihnen jemand davon erzählt hat oder jemand im Umfeld eine Blutspende brauchte. Über die Funktion ‚Team‘ kann ich Leute aus dem Freundeskreis oder vom Arbeitsplatz zu einer Gruppe einladen. In der Gruppe verabreden wir uns zum Blutspenden, das ist wie beim Sport auch, gemeinsam ist es schöner als alleine«, erzählt die auf Interface-Design spezialisierte Muthesius-Absolventin.

Ursprünglich war geplant, einen digitalen Blutspende­aus­weis zu entwickeln. Darauf sollten die Blutgruppe, wichtige Blutwerte und insbesondere auch der individuelle gene­tische Blutgruppen-Fingerabdruck, der die Blutgruppe noch genauer charakterisiert, dokumentiert werden. »Wenn die Spenderinnen und Spender selbst einmal Blut benötigen sollten, könnte so leichter ein Match für sie gesucht werden«, erklärt Boersch. In Kooperation mit dem Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (Leitung: Professor Siegfried Görg) und dem Schweizerischen Roten Kreuz wurde aufbauend auf dieser Idee ein Konzept für eine Blutspende-App entwickelt, die sehr viel mehr kann als die eigenen Daten der Blutanalyse zu speichern.

Damit trat Boersch zusammen mit zwei Webentwicklern und einem Informatiker beim Healthcare Hackathon 2018 an. Der innerhalb des Wettbewerbs entwickelte Design-Prototyp wurde mit 10.000 Euro prämiert. Dieses Geld fließt jetzt in die technische Umsetzung. Dabei gibt es noch ein paar harte Nüsse zu knacken. »Die Daten, die in die App fließen sollen, sind zwar alle vorhanden, aber diese so zusammenzusuchen, dass wir sie verwerten und auch sicher speichern können, ist schon ein Knackpunkt«, sagt Boersch.

Kerstin Nees
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