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Nr. 98, 30.03.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Im Herzen der Stadt

An der Kiellinie soll mit der Seeburg ein Veranstaltungszentrum für die Begegnung mit Wissenschaft entstehen. Der enge Austausch zwischen Universität und Gesell­schaft ist ein Kernstück des CAU-Antrags im Wettbewerb um den Titel als Exzellenz­universität.


So könnte die Seeburg als Eingangstor für Kieler Bürgerinnen und Bürger zur Wissenschaft zukünftig aussehen. © Konermann Siegmund Architekten BdA Stadtplaner

In Kiel gibt es kaum einen besseren Ort, um Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürger zusammen­zubringen: Direkt an der Förde, in unmittelbarer Nähe zu mehreren Museen, lässt sich der Sonntags­spaziergang oder der Landgang von einem der unweit liegenden Kreuzfahrtschiffe leicht mit einem Besuch in der Seeburg verbinden. So stellen es sich die an der Planung Beteiligten aus Wissenschaft, Öffentlichkeitsarbeit und Stadtentwicklung vor.

»Mit der Seeburg wollen wir dahin gehen, wo die Menschen sind, ins Herz von Kiel. Sie soll ein Eingangs­tor sein, das neugierig macht auf Wissenschaft«, beschreibt Ilka Parchmann, CAU-Vize­präsi­dentin für Wissenschaftskommunikation, wie sich die Universität noch stärker als bisher zur Gesell­schaft und zur Stadt hin öffnen will. Als Standort der Kieler Hochschulen konnten sich die Besuche­rinnen und Besucher der vergangenen Digitalen Woche Kiel bereits ein Bild von dem historischen Gebäude machen. 1910 eingeweiht beherbergte es früher unter anderem die erste eigene Mensa für Studierende.

Die finanziellen Mittel, die die CAU mit dem Status als Exzellenzuniversität erhalten könnte, sollen dort einen Mix aus kreativen Veranstaltungen, Ausstellungen und Mitmachaktionen für verschiedene Zielgruppen ermöglichen – von Rätselparcours für Familien, digitalen Augmented-Reality-Welten für Schulgruppen bis zu neuen Formaten wie »Science Dinners« für die breite Öffentlichkeit. In Kooperationen mit den nahe gelegenen Museen der CAU, der Kunsthalle, dem Zoologischen Museum, der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung sowie dem alten Botanischen Garten könnten gemeinsame Themen aus unterschiedlichen Perspektiven aufbereitet werden.

»Wir haben bereits Formate, die sehr gut angenommen werden, wie die Night of the Profs, die Kieler Uni Live während der Kieler Woche oder die Forschungswerkstatt für Schulklassen«, so Parchmann. Der Ansatz, der hinter der Seeburg und dem Exzellenzantrag steht, geht noch einen Schritt weiter: Besucherinnen und Besucher sollen sich selbst in Wissenschaft einbringen können. »Wissenstransfer verstehen wir in beide Richtungen. Wir wollen auch wissen, was den Bürgerinnen und Bürgern wichtig ist«, betont Professorin Karin Schwarz, CAU-Vizepräsidentin für Forschung und Technologietransfer.

So könnten Forschungsfragen von Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam entwickelt werden, Diskussionen zu Themen wie Tierwohl, Gesundheit oder nachhaltiger Fischerei seien aktuelle Beispiele dafür. Der »Denkraum« – so der Titel einer für die Exzellenzuniversität geplanten Förderung – soll beispielsweise jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Fachdisziplinen ermöglichen, gesellschaftlich relevante Themen zusammen mit externen Interessierten zu verfolgen. In aktuellen Projekten wie CAPTin Kiel (Clean Autonom Public Transport) arbeiten Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bereits gemeinsam daran, Modelle für autonomes Fahren zu Wasser und Land zu entwickeln. Die Seeburg ist einer der Orte, wo Kooperationspartner wie diese bereits zum Dialog zusammenkommen.

»Wir wollen eine Uni in der Gesellschaft sein, in der Wissen nicht losgelöst entsteht«, unterstreicht Schwarz einen zentralen Aspekt des Kieler Exzellenzantrags. Wissenschaft müsse sich mit ihren Fakten in öffentliche Diskussionen einmischen. Gleichzeitig sollen Bürgerinnen und Bürger wissen, wie Forschung funktioniert. Von außen seien wissenschaftliche Prozesse oft nicht nachvollziehbar. Gegenteilige Meinungen oder Informationen, die sich durch neue Erkenntnisse fortlaufend ändern, führten häufig zu Skepsis gegenüber Wissenschaft. »Diese Unsicherheiten gehören zum wissen­schaftlichen Arbeiten dazu. Aber sie können zum Nährboden für Fake News werden, Falschnachrichten, die vermeintlich einfache Lösungen bieten. Das sehen wir in aktuellen gesellschaftlichen Entwick­lungen«, warnt Schwarz.

Mit dem Areal der Seeburg will die Uni Kiel einen PublicCampus in der Stadt bieten. Neben der Begegnung mit wissenschaftlichen Köpfen soll er auch Einblicke geben, wie diese in Laboren, Bibliotheken oder auf Forschungsreisen Wissen erarbeiten. Neue Formate dafür sollen unter anderem Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Kunst und Bildung beim jährlichen Science Outreach Campus gemeinsam entwickeln und dabei auch voneinander lernen.

»In der Seeburg sollen die Interfaces, nach denen unser Antrag benannt ist, gelebt werden: Mit Begeg­nungen zwischen Menschen unterschiedlicher Expertisen, zwischen Universität und Stadt sowie zwischen Wissenschaft und Gesellschaft«, fasst Parchmann zusammen.

Julia Siekmann
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