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Nr. 98, 30.03.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Kalifornische Inspirationen

Exzellente Grundlagenforschung und Technologietransfer sind kein Widerspruch. Das beweisen amerikanische Universitäten wie Stanford und die daraus hervor­gehenden Unternehmen im Silicon Valley. Die Uni Kiel will mit neuen Programmen den Austausch mit ihrer Partnerregion rund um San Francisco ankurbeln.


Der Kieler Masterstudent Fabian Speyer (rechts) experimentiert zusammen mit seinem Kollegen Simón Lorenzo an der Stanford University mit pho­tonischen Kristallen. Der angehende Wirtschafts­ingenieur ist derzeit als »Visting Student« an der Eliteuniversität in Kalifornien. © privat

Fabian Speyer ist jetzt da, wo er seit Beginn sei­nes Studiums hinwollte: an einer amerikanischen Elite­universität. Dank der Kontakte von Professo­rin Martina Gerken und einem Stipendium der Uni­versität Kiel bekam der Kieler Masterstudent die Chance, fünf Monate in einer Forschungs­gruppe an der Stanford University, Kalifornien/ USA, zu arbeiten.

»Fabian Speyer packt dort in einem Projekt mit an, macht quasi ein Praktikum«, erklärt Gerken, die selbst in Stanford promoviert hat und an der Technischen Fakultät (TF) der Kieler Uni den Lehr­stuhl für Integrierte Systeme und Photonik leitet. Das nennt sich »Visiting Student Re­searcher Program« und steht Studierenden mit Bachelorabschluss offen. Es ist eine Alternative zum Studium an der kalifornischen Universität. Denn die enormen Studiengebühren von min­destens 11.000 Dollar pro Quartal erlauben es den Wenigsten, dort zu studieren.

Vorteilhaft ist so ein Austausch allemal, weiß die Direktorin des Instituts für Elektrotechnik und Informationstechnik:

»Die Studierenden gewinnen andere Einblicke, betreiben exzellente Grundlagenforschung und kommen hoch motiviert zurück.«


Um diese Erfahrung noch mehr Interessierten ermöglichen zu können, entwickelt die Wissenschaftlerin derzeit ein Austauschprogramm. »Die Studiengebühren werden allerdings nicht erlassen«, bedauert Gerken, »das haben alle Gespräche mit Stanford ergeben.«

»Ich sehe in dem Auslandsaufenthalt in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung. Man lernt nicht nur neue Kulturen, Ansichten und Lebensweisen kennen, sondern entwickelt seine eigene Persönlichkeit weiter. Zudem konnte ich Freundschaften schließen und hoffe natürlich, dass diese Kontakte halten«, so der angehende Wirtschaftsingenieur Speyer. In Stanford arbeitet er in einer Arbeitsgruppe, die sich mit ähnlichen Themen befasst wie die von Martina Gerken in Kiel. Beeindruckt hat ihn vor allem das Miteinander der Studierenden. »Egal an welchem Forschungsbereich man selbst arbeitet, falls Probleme oder Fragen aufkommen, kann man alle um Hilfe bitten.«

Gleichzeitig sei die Arbeitsmoral enorm. Im Durchschnitt verbringen die Doktorandinnen und Dokto­ran­den laut Fabian Speyer täglich zehn Stunden am Lehrstuhl, teilweise auch am Wochenende. »Stanford bietet ein riesiges Repertoire an Professoren, Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeitern, sodass täglich neue Seminare angeboten und besucht werden können.« Forschungsaufenthalte wie der von Fabian Speyer können der Einstieg sein für internationale wissenschaftliche Kooperationen. Solche will die Kieler Uni mit ihrem Exzellenzantrag fördern.

Berühmt und weltweit beachtet sind die kalifornischen Eliteuniversitäten aber nicht nur wegen ihrer inspirierenden Lehr- und Forschungsmöglichkeiten, sondern vor allem als Nährboden für Unternehmensgründungen. »Technologietransfer ist in Stanford ein großes Thema, gleichzeitig betreiben sie dort exzellente Grundlagenforschung. Das ist kein Widerspruch. Dort wird vorgelebt, dass beides geht«, betont Gerken.

Wer sehen will, wie aus wissenschaftlichen Ideen tragfähige Geschäftsmodelle werden, blickt ins Silicon Valley. Das weiß auch Dr. Anke Rasmus, Leiterin des Zentrums für Entrepreneurship (ZfE) an der Uni Kiel. Im vergangenen Jahr war sie Mitglied einer schleswig-holsteinischen Delegation, die in die San Francisco Bay Area gereist ist. Das Gebiet an der Westküste der USA gehört neben Skandinavien und dem chinesischen Hangzhou zu einer der strategischen internationalen Partnerregionen der CAU. Die Partnerschaften sollen durch Maßnahmen aus der Exzellenzuniversität in Zukunft ausgebaut werden.

Seit 2017 besteht außerdem eine Städtepartnerschaft zwischen Kiel und San Francisco. Den kalifornischen Gründergeist würde Rasmus gern nach Kiel holen. Ziel zukünftiger Projekte wird es deshalb sein, ein Austauschprogramm für Gründungswillige und junge Unternehmen zu entwickeln. »Und natürlich würden wir uns freuen, wenn es tatsächlich ein Austausch wird, das heißt, wenn der eine oder die andere auch Interesse daran hat, nach Schleswig-Holstein zu kommen. Denn sicher gibt es hier auch lohnende Business-Optionen für Startups aus Kalifornien«, sagt Rasmus.

Kerstin Nees
Gründung als Karriereoption
Aktivitäten zum Thema unternehmerisches Denken und Handeln werden an der Universität Kiel seit 2014 im Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) gebündelt. Studierende und Beschäftigte der CAU, aber auch Alumni können sich hier von der Ideensuche bis zur Gründung einer Unternehmung beraten lassen. Das ZfE erfüllt dabei eine Lotsenfunktion und vermittelt zum Beispiel Kontakt zu Geldgebern, potenziellen Kunden oder Branchenexperten.

Daneben arbeiten Dr. Anke Rasmus und ihr Team vom ZfE auch daran, die Karriereoption einer Unternehmensgründung sichtbarer zu machen. Seit einem halben Jahr gibt es am ZfE mit dem Inkubator auch eine zusätzliche Räumlichkeit zur Förderung von Ausgründungen. (ne)
Studium und Spitzenforschung
Elemente der Spitzenforschung in Bachelorstudiengänge integrieren? Eine Herausforderung bedeutet das allemal, meint Professor Frank Kempken, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Kiel. Aus seiner Sicht wäre es der Mühe wert, diese Herausforderung anzunehmen.

»Sehr erfolgreich« läuft laut Kempken in der Meeresökologie das Dauerprojekt GAME (Globaler Ansatz durch Modulare Experimente). Das Angebot richtet sich an Masterstudierende und hat einen anspruchsvollen Ansatz. Eine Gruppe von zehn bis zwanzig Studierenden aus dem In- und Ausland untersucht eine Forschungsfrage in der Meeresökologie, und das an verschiedenen Standorten weltweit. Beteiligt sind mehr als 30 Partnerinstitute. In den vergangenen 13 Jahren wurden auf diese Weise mehr als 190 Studierende ausgebildet und gut 30 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht. Die Palette der Themen lässt dabei kaum Wünsche offen. Vom ozeanischen Klimawandel reicht sie über Marine Mikrobiologie bis zu nachhaltiger Nahrungsmittelproduktion und internationalem Seerecht.

Die Sache mit GAME hat allerdings auch einen gravierenden Nachteil: Sie ist, was personelle und finanzielle Ressourcen betrifft, sehr aufwendig. Mal eben auf andere Fachbereiche übertragbar ist das Projekt insofern nicht, stellt Professor Kempken klar. Dazu brauche es mehr Zeit, Geld und Freiräume. Dann kann er sich vorstellen, dass in Master- und auch in Bachelorstudiengängen künftig vermehrt Module aus Bereichen eingebaut werden, in denen die Uni Kiel auf höchstem Niveau nach neuem Wissen strebt. Erhebliche Mittel über die bundesweite Exzellenzstrategie erhalten an der Uni Kiel die Exzellenzcluster Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen (Precision Medicine in Chronic Inflammation, PMI) und ROOTS - Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten. Weiterhin einen herausragenden Status soll die Kieler Meeresforschung erhalten. Alle drei, aber auch diverse andere Bereiche eignen sich nach Einschätzung des Dekans bestens für eine modulare Verankerung an der universitären Basis, weil sie ohnehin interdisziplinär ausgerichtet sind und vielerlei Zugangsmöglichkeiten bieten.

Martin Geist
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