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Nr. 98, 30.03.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Fast wie im Krimi

Wenn Kommissar Bodo Rowski ermittelt, bleibt kein Fall ungelöst. Doch wie geht es danach weiter? Jura-Studierende in Kiel können sich mit dieser Frage bald wie im echten Krimi beschäftigen.


© pur.pur

Die Juristerei wird gern als dröge Disziplin bezeichnet. Dieses Urteil mag Professorin Janique Brüning allerdings so gar nicht unterschreiben. Und selbst wenn doch ein entsprechender Eindruck aufkommen sollte, liegen nach ihrer Auslegung in aller Regel mildernde Umstände zugrunde. Was in Brünings Worten bedeutet: »Viele Studierende lernen eher passiv. Sie kennen Gesetze und Lösungen auswendig, haben dann aber unter Umständen große Mühe, dieses Wissen in Klausuren, die eine Falllösung verlangen, tatsächlich anzuwenden.«

Gegensteuern will die Hochschullehrerin, indem sie juristische Sachverhalte in »Baltic Crime Stories« verpackt und dabei versucht, die große Beliebtheit von Serien unter den Studierenden zu nutzen. Jede der Folgen, die gerade entstehen, behandelt einen speziellen Kriminalfall und ist in sich abgeschlossen. Die Protagonisten jedoch tauchen immer wieder auf und prägen die Geschichten mit ihren jeweiligen Charakterzügen.

Da wäre zum Beispiel der coole, allerdings meist klamme Surfertyp Jesse Weiß, der erst tankt, ohne zu bezahlen, danach die Parkuhr mit einer Unterlegscheibe überlistet und prompt von Ordnungshüter Bodo Rowski erwischt wird. Die Studierenden dürfen am Ende dieser kleinen Geschichte darüber sinnieren, welche Tatbestände nach dem Strafgesetzbuch für das Täuschungsmanöver des jungen Mannes in Frage kommen.

Seine Mutter Friederike Amalie Albrecht ist derweil als Professorin für Meeresbiologie eine Koryphäe auf ihrem Gebiet und im Wissenschaftsbetrieb anerkannt, aber ebenfalls nicht frei von Verfehlungen. Sie nimmt es mit der Abrechnung von Drittmitteln nicht so genau und gibt den Studierenden auf diese Weise ein rechtliches Rätsel auf.

»Die Geschichten sollen Lust machen, sich damit zu beschäftigen, sie dürfen aber auch nicht überfrachtet werden«, erläutert Janique Brüning, die bereits im Jahr 2017 mit ihrem Projekt »Der digitale Fall« diese Richtung eingeschlagen hat (unizeit-Ausgabe 93). Das mit Personen und Geschichten bestückte Beiwerk fehlte damals aber noch, in der Hauptsache ging es darum, die Studierenden mithilfe gezielter Fragen und Anregungen bei der Lösung eines Rechtsproblems zu begleiten.

Nun ist die Professorin dabei, noch einen draufzusetzen und Fälle mit Identifikationscharakter zu basteln. Das geschieht noch ein knappes Jahr lang, denn ihre Idee wird erneut durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) gefördert – und keinesfalls in Form einer Ein-Frau-Mission. Fürs Texten und Ausschmücken der Sachverhalte ist beispielsweise häufig die Lehrstuhl-Mitarbeiterin Marie Hädrich zuständig, weil sie eine flotte Feder zu führen weiß. Die Geschichten und Charaktere wurden in einem großen Brainstorming des gesamten Teams geboren.

Dennoch geht es am Ende bei aller Spielerei darum, für Strafrechtsfälle eine »richtig gut aufbereitete Lösung« zu schaffen, betont Janique Brüning. Ihre »Baltic Crime Stories«, die gegen Jahresende online gehen könnten und übers Internet auch der Allgemeinheit zugänglich sein sollen, versteht sie schlicht als Werkzeug, um die Anwendung des Rechts zu üben. Wenn das zugleich ein bisschen Spaß macht, ist das für die innovative Hochschullehrerin natürlich umso schöner.

Jedoch kann das digital gestützte Lernen im Fach Jura trotz allem nicht das Alleinseligmachende sein, stellt Janique Brüning klar: »Am Ende wird die Klausur immer noch mit dem Stift auf den Zettel geschrieben.«

Martin Geist
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