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Nr. 98, 30.03.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Ganz großes Kino

Wie sind Serien beschaffen, die speziell fürs Internet gedreht wurden? Dieser Frage gehen die Studierenden eines medienwissenschaftlichen Seminars nach – mit der Kamera.


Dreh unter erschwerten Bedingungen (von links): Ron Fischer und Silke Feyerabend filmen bei strömendem Regen die Diskussion der Kommissare (Michael Blödgen und Christian Kock) am Kleinen Kiel. Die Dialoge dazu stammen von Hiske Harm. © Ruske

Dramatische Prügelei am Kleinen Kiel: Ein gezielter Fausthieb – und Kommissar-Anwärter Oliver Hardt geht zu Boden. Doch keiner der Zuschauer hilft. Nicht einmal sein Chef, Kommissar Stefan »Sherlock« Krüger. Denn genau so steht es im Drehbuch. In Kiel und Umgebung waren jetzt Studierende des Masterstudiengangs Medienwissenschaften: Film und Fernsehen mit der Kamera unterwegs, um Webserien zu drehen. Zu sehen sind die Videofilme ab Ende April im Internet.

Eine Krimi-Komödie in mehreren Teilen will die Gruppe um Hiske Harm, Silke Feyerabend und Ron Fischer realisieren. Als Hauptdarsteller für »Krüger & Hardt« haben sie Christian Kock, Mitglied der Hörspielgruppe »Die Drei Herren«, sowie Michael Blödgen von der studentischen Theatergruppe »Die Meisterschüler« mit ins Boot und vor die Kamera geholt. Und die sind – wie alle anderen Darsteller der Mini-Produktion – für jede noch so kuriose Szene und jeden Spaß zu haben. Ob sich im strömenden Regen am Kleinen Kiel auf den nassen Boden zu schmeißen oder im Ganzkörper-Schweinskostüm durch die Fußgängerzone zu sprinten. »Es fällt uns oft nicht leicht, beim Dreh ernst zu bleiben«, sagt Hiske Harm, die mit ihrem Team das Drehbuch und die Dialoge für verschiedene Folgen geschrieben hat. »Unsere Serie wird sehr lustig.«

Die Gruppe ist eine von insgesamt fünf, die sich in dem Seminar, das über den PerLe-Fonds für Lehrinnovation 2019 vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) gefördert wurde, unter Leitung von Dr. Markus Kuhn, Professor für Medienwissenschaft im Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien, mit dem Thema audiovisuelle Serien im Internet befassen. Und das nicht nur theoretisch. »Die Kieler Uni ist eine von wenigen in Deutschland, die in dem Studiengang ein eigenes Praxismodul anbieten«, erklärt Kuhn. Nach einem theoriebasierten Seminar im Sommersemester, bei dem es auch um die Fragen nach dem Fernsehen der Zukunft, der Weiterentwicklung des sozialen Netzes und dem kritischen Umgang mit der Unterhaltungsindustrie ging, beschäftigten sich die Studierenden im Wintersemester ganz praktisch mit den Themen Drehbuch schreiben, Kameraführung, Ton und Schnitt. Unterstützung gab es dabei von fachkundigen Gastdozentinnen und -dozenten. Im Anschluss daran folgte der Dreh von mindestens einer bis zwei Folgen der eigenen Webserie plus Trailer.

Den 23 Studierenden wurden dabei keine Grenzen gesetzt. Umso kreativer sind die fünf- bis zehnminütigen Ergebnisse. Zwei Dokumentationen gibt es - die eine stellt die Kieler Musikszene in mehreren Folgen vor, die andere porträtiert physisch und psychisch kranke Menschen - sowie drei fiktive Geschichten, die vom Inhalt und dem Genre unterschiedlicher nicht sein könnten. Trotz des minimalen Budgets und nicht zuletzt trotz der Unwägbarkeiten beim Drehen, die Zeit kosten, wie Regen, Autos, die ungewollt durchs Bild fahren, oder Hustenanfälle von Passanten, die den Ton stören, war die Motivation der Teams riesig, so Kuhn.

»Der Reiz am Dreh von Webserien im Gegensatz zu klassischen TV-Serien ist, dass dabei die Möglichkeiten so groß sind«, erklärt Ron Fischer. Längenvorgaben gibt es nicht, anders als bei Fernseh-Serien, und auch beim Inhalt wird deutlich mehr ausprobiert. Es darf gern auch mal etwas kurios oder abstrus sein. Das machen sich die Teams gern zunutze. »Doch trotz aller Freiheiten waren die Tipps der Fachleute, wie man zum Beispiel ein Drehbuch schreibt, sehr hilfreich«, sagt Harm.

Mit der Fertigstellung der Folgen und der Trailer ist die Arbeit der Studierenden jedoch noch lange nicht zu Ende: Ziel ist es, die Serien nicht nur ins Internet zu stellen, sondern so viel Werbung zu machen, dass sie von den Nutzerinnen und Nutzern auch gefunden werden. »Vermarktung ist ein ebenso wichtiger Schritt«, sagt Kuhn. Das kann in Form von Flyern, einer eigenen Website oder mittels sozialer Netzwerke wie Facebook oder Instagram erfolgen, in denen die Hauptfiguren ein eigenes Profil bekommen.

Die Premiere der Webserien erfolgt jedoch ganz klassisch – mittels Kinovorführung in der Kieler Pumpe am 17. April um 19:00 Uhr. Weitere Termine: 24. und 30. April, 20:30 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Euro (ermäßigt 6 Euro).

Jennifer Ruske

www.ndl-medien.uni-kiel.de/de/projektseminare/projekt-webserien
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